Warum Handflächen Schwertern überlegen sind
Schwerter erhalten in der Wuxia-Fiktion die ganze Aufmerksamkeit. Sie haben coole Namen, werden über Generationen weitergegeben und inspirieren ganze Romane. Doch wahre Kenner des Genres kennen die Wahrheit: Die mächtigsten Techniken in der Kampfwelt (武林 wǔlín) sind Handflächen-Schläge, nicht Schwertformen. Empfehlenswert zum Weiterlesen: Wudang vs Shaolin: Zwei Philosophien des Kampfes.
Die Logik ist einfach. Ein Schwert ist ein externes Werkzeug — es verstärkt die physische Kraft. Ein Handflächenschlag kanalisiert innere Energie (内功 nèigōng) direkt durch den Körper. Auf höchstem Niveau projizieren Handflächentechniken rohes Qi (气 qì) durch Fleisch und Knochen und erzeugen so Schläge, denen keine metallene Klinge gewachsen ist. Ein legendäres Schwert kann zerbrechen, gestohlen oder verloren werden. Deine Handflächen begleiten dich überall hin.
Die Rangliste
1. Achtzehn Drachenbezwinger-Handflächen (降龙十八掌 Xiánglóng Shíbā Zhǎng)
Die berühmteste Kampfkunst aller Wuxia-Fiktion. Punkt.
Erschaffen von Jin Yong (金庸) für seine „Condor“-Trilogie, sind die Achtzehn Drachenbezwinger-Handflächen die Signaturtechnik des Anführers der Bettler-Sekte (丐帮 Gàibāng). Jede der achtzehn Bewegungen trägt den Namen eines Hexagramms aus dem I Ging (易经 Yìjīng) — „Der stolze Drache zeigt Reue“, „Der Drache steigt in den Himmel“ oder „Der verborgene Drache soll nicht verwendet werden“.
Was diese Handflächentechnik so überlegen macht, ist nicht ihre Komplexität — es ist das Gegenteil. Die achtzehn Bewegungen sind relativ einfach. Direkt. Brutal kraftvoll. Doch jede Bewegung erfordert enorme innere Energie als Antrieb. Ein Anfänger zeigt mit den Drachenbezwinger-Handflächen nichts Beeindruckendes. Guo Jing hingegen, der jahrzehntelang im Neun-Yin-Handbuch (九阴真经) geübt hat, kann mit nur einem Schlag eine Wand einreißen.
Die Formel aus Einfachheit und Kraft ist Jin Yongs philosophische Aussage zur Kampfkunst: Die ausgereifteste Technik ist die, die keine Ausgereiftheit benötigt. Reine Kraft, perfekt gerichtet. Das ist alles.
2. Sechs-Meridiane-Göttliches-Schwert (六脉神剑 Liùmài Shénjiàn)
Technisch gesehen keine Handflächentechnik — es ist eine Fingertechnik —, aber dennoch verdient sie Erwähnung, weil sie den absoluten Höhepunkt der Projektion innerer Energie durch die Hände darstellt.
Erschaffen von der Duan-Familie aus Dali im Roman Demi-Gods and Semi-Devils (天龙八部 Tiānlóng Bābù) benutzt das Sechs-Meridiane-Göttliche-Schwert jeden der sechs Finger (Zeige-, Mittel- und Ringfinger beider Hände), um einen konzentrierten Qi-Strahl zu projizieren, der wie eine unsichtbare Schwertklinge schneidet. Jeder Finger entspricht einem der sechs Hauptmeridiane des Körpers und erzeugt eine verschiedene Qi-Projektion — einige schneiden, andere durchbohren, wieder andere zerschmettern.
Duan Yu, der unglückliche Prinz, der versehentlich Teile dieser Technik meistert, kann aus dem ganzen Raum töten, ohne von seinem Stuhl aufzustehen. Die Hauptbeschränkung der Technik ist, dass Duan Yu sie nie vollständig kontrollieren kann — sie feuert unvorhersehbar, manchmal verheerend effektiv, manchmal völlig ausbleibend. Diese Unbeständigkeit ist einer der großen Running Gags in Demi-Gods and Semi-Devils.
3. Kröten-Stil (蛤蟆功 Háma Gō
(Anmerkung: Da der Text hier endet, kann die Beschreibung nicht weiter übersetzt werden.)